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Berlin Marathon 2026 Laufbericht: Wenn plötzlich nicht mehr die Zeit zählt

Persönlicher Laufbericht · 27. September 2026

Warum meine 3:39:16 Stunden für mich wertvoller sind als manche Bestzeit

Mein Berlin Marathon 2026 Laufbericht über 42,195 Kilometer, eine Zielzeit von 3:39:16 Stunden und die Erkenntnis, dass ein Rennen auch ohne Bestzeit zu einem der wertvollsten werden kann.

Gregor Jaeger mit Medaille nach dem Berlin-Marathon 2026
Im Ziel mit der Medaille des Berlin-Marathons 2026.
3:39:16Zielzeit
5:12 min/kmTempo
11. BerlinTeilnahme
Platz 453M55

Heute ist Mittwoch, der 30. September, kurz nach acht Uhr morgens. Ich habe bereits eine lockere Einheit auf dem Indoor-Rennrad absolviert. Die Beine fühlen sich erstaunlich gut an, der Körper wirkt fast so, als wäre am vergangenen Sonntag nichts Außergewöhnliches passiert.

Dabei liegt mein elfter Berlin-Marathon gerade einmal drei Tage zurück.

Langsam beginne ich zu begreifen, was dieses Rennen für mich bedeutet. Denn dieser Marathon war weit mehr als eine weitere Medaille, eine Zielzeit oder ein zusätzlicher Eintrag in meiner Statistik. Er war das Ende einer schwierigen Phase – oder vielleicht zumindest der Moment, in dem ich erstmals wieder etwas klarer auf die vergangenen Wochen schauen konnte.

Wenn ich diesen Lauf ausschließlich anhand der Zahlen bewerten würde, wäre die Geschichte schnell erzählt: 42,195 Kilometer, eine Zielzeit von 3:39:16 Stunden, eine nahezu identische erste und zweite Rennhälfte und Platz 453 in meiner Altersklasse.

Doch das wäre nur ein kleiner Teil der Wahrheit.

Die eigentliche Geschichte dieses Marathons begann viele Wochen vor dem Start – mit großen sportlichen Plänen, einer hervorragenden körperlichen Ausgangslage und einer Nachricht, die mich nach mehr als 33 Jahren im selben Unternehmen ziemlich aus der Bahn warf.

Ein Marathon mit besonderer Bedeutung

Jubilee-Startnummer von Gregor Jaeger beim Berlin-Marathon 2026
Zum elften Mal Berlin-Marathon – erstmals mit der Jubilee-Startnummer als zehnfacher Finisher.

Berlin ist für mich längst mehr als irgendein Marathon. Mit dem diesjährigen Rennen habe ich die Strecke zum elften Mal absolviert.

Im vergangenen Jahr erreichte ich mit meinem zehnten Berlin-Marathon die Voraussetzung für die Aufnahme in den Jubilee Club. Deshalb durfte ich 2026 erstmals mit der entsprechenden Jubilee-Startnummer antreten.

Das ist für mich etwas Besonderes.

Zehn Berlin-Marathons läuft man nicht nebenbei. Hinter jedem einzelnen stehen Monate der Vorbereitung, lange Trainingsläufe, frühe Einheiten, gute und schlechte Tage, Zweifel, Vorfreude und am Ende immer wieder diese 42,195 Kilometer durch Berlin.

Mein elfter Start sollte deshalb nicht nur eine weitere Teilnahme werden. Ich wollte ihm auch sportlich meinen Stempel aufdrücken.

Das ursprüngliche Ziel war ambitioniert: Ich wollte in meiner Altersklasse M55 eine persönliche Bestzeit laufen. Eine Zeit um 3:15 Stunden hatte ich als Orientierung im Kopf. Zumindest wollte ich meine 3:27:22 Stunden vom New-York-Marathon angreifen.

Diese Zeit aus New York war zugleich meine Hoffnung auf eine Qualifikation für den Boston-Marathon. Inzwischen wurden die endgültigen Cut-off-Zeiten veröffentlicht. Der zusätzliche Zeitpuffer lag in meiner Altersklasse bei etwas mehr als fünf Minuten. Damit fehlten mir mit meiner New-York-Zeit ungefähr zwei Minuten auf die tatsächlich notwendige Qualifikationszeit.

Das ist natürlich schade. Boston ist schließlich einer dieser Marathons, die für viele Läufer eine ganz besondere Bedeutung haben.

Ganz abgeschlossen ist das Thema allerdings noch nicht. Für den Boston-Marathon 2027 sollen erstmals 1.000 zusätzliche Startplätze verlost werden. Meine Chancen sind nicht besonders groß – nach einer groben Berechnung liegen sie wohl bei ungefähr elf Prozent. Aber elf Prozent sind immerhin mehr als null.

Vielleicht habe ich Glück.

Zu Jahresbeginn stimmte die Richtung

Zu Beginn des Jahres war ich auf einem sehr guten Weg.

Ich hatte mich intensiv mit meiner Ernährung beschäftigt und mein Gewicht konsequent reduziert. Gestartet war ich bei ungefähr 80 Kilogramm. Zwischenzeitlich zeigte die Waage 64,1 Kilogramm an.

Eine Gewichtsabnahme von fast 16 Kilogramm ist eine große Veränderung. Ich fühlte mich leichter, beweglicher und insgesamt deutlich besser. Vor allem hatte ich das Gefühl, aktiv auf mein Ziel hinzuarbeiten.

Die Voraussetzungen für eine strukturierte Marathonvorbereitung waren geschaffen. Mein Plan war, in den letzten 16 Wochen vor Berlin gezielt zu trainieren und mich Schritt für Schritt in die Form zu bringen, die ich für mein ambitioniertes Zeitziel benötigen würde.

Natürlich weiß ich aus Erfahrung, dass ein Marathon nicht allein über das Körpergewicht entschieden wird. Es braucht lange Läufe, Tempohärte, eine solide aerobe Grundlage, ausreichende Regeneration und vor allem Kontinuität.

Aber die Richtung stimmte.

Ich hatte das Gefühl, die Weichen richtig gestellt zu haben.

Dann kam die Nachricht aus meinem Unternehmen.

Wenn nach 33 Jahren plötzlich etwas wegbricht

Aufgrund neuer Strukturen werde ich künftig nicht mehr zum Unternehmen gehören.

Diesen Satz kann man relativ sachlich formulieren. Man kann von Umstrukturierungen sprechen, von veränderten Rahmenbedingungen oder von unternehmerischen Entscheidungen. Auf dem Papier klingt das nüchtern und beinahe alltäglich.

Emotional fühlt es sich vollkommen anders an.

Wenn man mehr als 33 Jahre in einem Unternehmen gearbeitet hat, ist diese Arbeit nicht einfach nur ein Job. Sie ist ein fester Bestandteil des Lebens. Sie bestimmt über Jahrzehnte den Tagesablauf, schafft Routinen und gibt einem in gewisser Weise auch Identität und Sicherheit.

Und dann soll all das plötzlich nicht mehr da sein.

Natürlich wusste ich, dass solche Veränderungen grundsätzlich jeden treffen können. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn aus einer abstrakten Möglichkeit die eigene Realität wird.

Diese Nachricht hat mich stärker getroffen, als ich zunächst wahrhaben wollte. Ich funktionierte zwar weiter, aber innerlich fehlten mir zunehmend Energie und Antrieb.

Es war nicht so, dass ich jeden Tag bewusst über das Unternehmen nachdachte. Trotzdem war die Unruhe da. Sie zeigte sich in meiner Stimmung, in meinen Gewohnheiten, in meinem Schlaf und schließlich auch im Training.

Gerade die letzten sechs bis acht Wochen vor dem Marathon waren mental schwierig. Ich hatte kaum Energie – nicht nur fürs Laufen, sondern teilweise auch für ganz alltägliche Dinge.

Normalerweise helfen mir sportliche Ziele in solchen Phasen. Wenn ich mich auf einen Marathon vorbereite, gibt mir das Training Struktur. Ich weiß, weshalb ich morgens aufstehe, weshalb ich eine Einheit durchziehe und weshalb ich bei Ernährung und Regeneration auf bestimmte Dinge achte.

Dieses Mal funktionierte dieser Mechanismus nicht.

Der Berlin-Marathon stand zwar im Kalender, aber er erreichte mich emotional kaum noch.

Alte Gewohnheiten kehrten zurück

Nach und nach ließ ich vieles schleifen.

Fast jeden Abend trank ich wieder ein Bier. Dazu kamen Chips, Süßigkeiten und andere Dinge, von denen ich natürlich wusste, dass sie meinem ursprünglichen Ziel nicht unbedingt halfen.

Das Gewicht, das ich zuvor mühsam verloren hatte, kam teilweise zurück. Irgendwann hörte ich auf, mich zu wiegen. Ich brauchte die Zahl auf der Waage auch nicht unbedingt, um zu wissen, was passiert war. Ich merkte es an meinen T-Shirts, an meinen Hosen und an meinem allgemeinen Körpergefühl.

Auch das Training wurde immer unregelmäßiger.

Es gab Phasen, in denen ich kaum oder gar nicht lief. Wenn ich trainierte, dann häufig ohne klare Struktur. Die langen Läufe fehlten fast vollständig, ebenso die kontinuierliche Entwicklung, die für einen Marathon normalerweise unverzichtbar ist.

Mein letzter wirklich langer Lauf lag am Marathontag bereits mehr als zwölf Wochen zurück.

Je näher Berlin kam, desto geringer wurde meine Motivation. Eigentlich müsste in den letzten Wochen vor einem großen Rennen die Vorfreude steigen. Bei mir war das Gegenteil der Fall.

Selbst am Rennmorgen hatte ich keine wirkliche Lust zu laufen.

Das klingt vielleicht merkwürdig. Schließlich hatte ich einen Startplatz für einen der größten Marathons der Welt. Ich stand kurz davor, zum elften Mal durch Berlin zu laufen und erstmals als Mitglied des Jubilee Clubs zu starten.

Trotzdem war da keine echte Aufregung, kein Kribbeln und kein großer sportlicher Ehrgeiz.

Da war vor allem die Frage: Wie bekomme ich diese 42,195 Kilometer heute im Kopf bewältigt?

Unruhige Nächte im Hotel

Wir übernachteten im Pestana Hotel. Die Lage war für den Marathon sehr gut und auch das Zimmer machte zunächst einen ordentlichen Eindruck. Das Bett war groß und breit, die Matratze für meinen Geschmack allerdings viel zu weich. Es fühlte sich beinahe wie ein Wasserbett an.

Das größere Problem war jedoch ein ständiges Klacken, das vermutlich von der Klimaanlage kam. Ob sie eingeschaltet oder ausgeschaltet war, machte kaum einen Unterschied.

Manchmal sind es gerade solche gleichmäßigen, kleinen Geräusche, auf die man sich irgendwann vollständig konzentriert. Je länger ich wach lag, desto präsenter wurde das Klacken. In der Nacht von Freitag auf Samstag schlief ich deshalb praktisch überhaupt nicht.

Am nächsten Morgen ging ich zur Rezeption und schilderte das Problem. Die Reaktion dort war ausgesprochen positiv. Es gab keine langen Diskussionen oder unnötigen Rückfragen. Wir erhielten direkt ein neues Zimmer im fünften Stock.

Ich hoffte, dort auch eine etwas härtere Matratze vorzufinden. Das war leider nicht der Fall. Das Bett fühlte sich fast genauso weich an. Auch ein Klacken der Klimaanlage war wieder zu hören, allerdings etwas anders und weniger störend.

So konnte ich in der Nacht vor dem Marathon zumindest ein wenig schlafen.

Gegen ein Uhr war ich trotzdem wieder wach und fand anschließend kaum noch Ruhe. Dabei lag es nicht einmal daran, dass ich besonders nervös wegen des Rennens war. Dieses nächtliche Aufwachen begleitet mich bereits seit einigen Wochen.

Ich werde wach und kann nicht mehr einschlafen. Nicht, weil ich bewusst über die Arbeit oder meine Zukunft nachdenke. Zumindest fühlt es sich nicht so an. Der Körper ist müde, aber der Kopf findet keine Ruhe.

Auch das gehört zur Wahrheit dieser Marathonvorbereitung.

Der Morgen vor dem Start

Am Rennmorgen ging ich hinunter zum Frühstück und aß zwei kleine Brötchen mit etwas Käse.

Wie bei früheren Wettkämpfen setzte ich bei der Kohlenhydratzufuhr auf Produkte von Maurten. Am Freitag und Samstag sowie am Sonntagmorgen nutzte ich Maurten Drink Mix 160 beziehungsweise 320, um meine Kohlenhydratspeicher aufzufüllen.

Diese Strategie hat sich für mich inzwischen bewährt. Anfangs war ich durchaus skeptisch, aber mein Körper kommt damit gut zurecht. Ich vertrage die Produkte und habe das Gefühl, über einen langen Zeitraum zuverlässig mit Energie versorgt zu sein.

Natürlich ist die Verträglichkeit individuell. Was bei mir funktioniert, muss nicht automatisch für jeden anderen Läufer die richtige Lösung sein.

Wer Maurten oder eine andere Wettkampfverpflegung ausprobieren möchte, sollte das unbedingt bereits im Training tun – am besten während eines langen Laufs und unter Bedingungen, die einer späteren Marathonsituation möglichst nahekommen.

Der Wettkampftag ist nicht der richtige Zeitpunkt für Experimente. Ein Gel, das im Alltag problemlos erscheint, kann nach 25 oder 30 Kilometern ganz anders auf den Magen wirken.

Mit den Gedanken ganz woanders

Vom Hotel aus ging ich zu Fuß zum Startbereich. Ich gab meine Sachen ab, checkte ein und ließ mich anschließend mehr oder weniger durch die Abläufe treiben.

Wie wenig ich an diesem Morgen wirklich bei der Sache war, zeigte sich an einer Kleinigkeit: Aus irgendeinem Grund war ich fest davon überzeugt, dass mein Start um 9:15 Uhr erfolgen würde.

Tatsächlich fiel der Startschuss bereits um 8:45 Uhr.

Normalerweise weiß ich vor einem Marathon ziemlich genau, wann mein Startblock geöffnet wird, wann ich dort sein möchte und wie viel Zeit ich für alles einplane. Dieses Mal stand ich beinahe zufällig rechtzeitig am richtigen Ort.

Im Startblock war mein Puls auffallend niedrig. Ich war nicht angespannt und auch nicht besonders aufgeregt. Man könnte sagen, ich sei entspannt gewesen. Tatsächlich war es vermutlich eher eine Mischung aus Müdigkeit, fehlender Motivation und emotionaler Distanz.

Mein ursprüngliches Zeitziel spielte längst keine Rolle mehr.

Die Aufgabe lautete nur noch: ruhig bleiben, vernünftig laufen und schauen, was der Tag bringt.

Eine Strecke, mehrere Treffpunkte

Meine Frau wollte mich an verschiedenen Punkten der Strecke unterstützen.

Den ersten Treffpunkt hatten wir ungefähr bei Kilometer eins vereinbart. Ein weiteres Mal wollte sie mich bei Kilometer elf sehen, etwas hinter dem Alexanderplatz. Aufgrund der großen Zuschauermenge schaffte sie es dort leider nicht an die Strecke.

Der nächste geplante Treffpunkt lag deutlich später am KaDeWe, ungefähr bei Kilometer 35 oder 36.

Für mich ist es während eines Marathons immer hilfreich zu wissen, dass an bestimmten Punkten ein vertrauter Mensch wartet. Gerade wenn die Kilometer schwerer werden, können solche Treffpunkte kleine mentale Etappen bilden.

Man läuft dann nicht sofort bis Kilometer 42, sondern zunächst nur bis zu dem Punkt, an dem man den anderen hoffentlich sieht.

Der erste Kilometer war zu schnell

Für das Rennen hatte ich mir vorgenommen, ungefähr 5:30 Minuten pro Kilometer zu laufen.

Angesichts meiner Vorbereitung wäre das bereits ein ordentliches Tempo gewesen. Vor allem wollte ich verhindern, mich von der Atmosphäre und den anderen Läufern mitreißen zu lassen.

Wie so häufig bei einem großen Stadtmarathon fühlte sich das Tempo direkt nach dem Start langsamer an, als es tatsächlich war. Der erste Kilometer lag knapp unter fünf Minuten.

Das war deutlich schneller als geplant.

Danach nahm ich bewusst Geschwindigkeit heraus und fand einen Rhythmus, der sich gut und kontrolliert anfühlte. Die folgenden Kilometer bewegten sich ungefähr im Bereich zwischen 5:08 und 5:16 Minuten.

Dabei konzentrierte ich mich weniger auf eine konkrete Zielzeit als auf meinen Puls und mein Körpergefühl. Besonders am Anfang wollte ich vermeiden, unnötig früh in einen zu hohen Belastungsbereich zu geraten.

Der klassische Fehler bei einem Marathon besteht darin, die ersten Kilometer zu schnell zu laufen, weil sich das Tempo dort noch leicht anfühlt. Bezahlt wird dafür häufig erst viel später – ab Kilometer 30, 32 oder 35.

Mit meiner fehlenden Vorbereitung hätte ich durch einen überzogenen Start nichts gewinnen können.

Zu meiner Überraschung kam ich sehr gut in das Rennen. Bereits nach zwei oder drei Kilometern fühlte sich das Laufen rund und angenehm an. Die ersten fünf Kilometer absolvierte ich mit einer Durchschnittspace von 5:12 Minuten pro Kilometer. Das entspricht etwa 11,57 Kilometern pro Stunde.

Viel schneller hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht laufen sollen. Deutlich langsamer musste ich mich jedoch ebenfalls nicht machen.

Also lief ich einfach weiter.

Der Körper vergisst offenbar nicht alles

Was anschließend passierte, erstaunt mich auch einige Tage später noch.

Mein Körper machte über die gesamte Distanz keinerlei Probleme.

Natürlich kennt mein Körper den Marathon. Ich habe über viele Jahre zahlreiche lange Läufe absolviert, bin unterschiedliche Marathonrennen gelaufen und habe sowohl schnelle als auch umfangreiche Trainingsphasen erlebt.

Trotzdem kann man vergangenes Training nicht unbegrenzt konservieren. Meine konkrete Vorbereitung auf Berlin war alles andere als ausreichend, und mein letzter langer Lauf lag schon viele Wochen zurück.

Dennoch gab es während des Rennens kein ernsthaftes Ziehen, kein Zwicken und keine muskulären Warnsignale. Selbst in den späteren Kilometern hatte ich nicht das Gefühl, dass mein Körper plötzlich vollständig einbrechen würde.

Offenbar war noch immer eine solide Basis vorhanden. Der Körper kann sich an Belastungen erinnern – zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Das sollte allerdings nicht als Empfehlung verstanden werden, einen Marathon ohne ausreichende Vorbereitung zu laufen. Eine solche Distanz bleibt eine enorme Belastung. Nur weil es bei mir an diesem Tag funktioniert hat, bedeutet das nicht, dass es grundsätzlich vernünftig oder ungefährlich ist.

Ich kenne meinen Körper nach vielen Jahren im Ausdauersport sehr gut. Ich wusste, welche Signale ich ernst nehmen musste, und war jederzeit bereit, das Tempo deutlich zu reduzieren oder das Rennen im Zweifel zu beenden.

Man muss sich bei einem Marathon nichts beweisen – schon gar nicht auf Kosten der eigenen Gesundheit.

Ideale Bedingungen und weniger dramatische Szenen

Auch das Wetter kam mir entgegen.

Es war nicht zu heiß, und die Sonne blieb über weite Strecken hinter den Wolken. Dadurch waren die Bedingungen wesentlich angenehmer als im Vorjahr.

Während des gesamten Rennens hatte ich außerdem den Eindruck, dass in meinem Umfeld deutlich weniger Läuferinnen und Läufer mit ernsthaften Problemen zu kämpfen hatten. Im vergangenen Jahr hatte ich teilweise das Gefühl, die Menschen würden bei der Hitze reihenweise umfallen.

Ganz ohne kritische Situationen ging es leider auch dieses Mal nicht. Zweimal sah ich Notärzte bei Läufern, die keinen guten Eindruck machten. Solche Bilder beschäftigen einen – auch dann, wenn man weiterläuft.

Ich hoffe sehr, dass es den Betroffenen inzwischen wieder gut geht.

Diese Situationen führen einem vor Augen, wie schnell die Bedeutung einer Zielzeit relativ werden kann. Innerhalb weniger Sekunden geht es nicht mehr um Pace, Platzierung oder Bestzeit, sondern nur noch darum, dass ein Mensch medizinisch gut versorgt wird.

Fast identische Halbmarathonzeiten

Mein Ergebnis

Berlin-Marathon 2026 in Zahlen

3:39:16Nettozeit
5:12 min/kmDurchschnittstempo
1:49:24Erste Hälfte
1:49:53Zweite Hälfte
29 SekundenDifferenz der Hälften
Platz 453Altersklasse M55
Offizielle Urkunde von Gregor Jaeger beim Berlin-Marathon 2026 mit Zielzeit 3 Stunden 39 Minuten 16 Sekunden
Meine offizielle Urkunde des Berlin-Marathons 2026.

Meine Splitzeiten

DistanzZeit
5 km00:25:56
10 km00:51:33
15 km01:18:02
20 km01:43:52
Halbmarathon01:49:24
25 km02:09:54
30 km02:35:47
35 km03:01:42
40 km03:28:03
Ziel03:39:16

Mein Tempo blieb über die gesamte Distanz erstaunlich konstant.

Die erste Hälfte lief ich in 1:49:24 Stunden. Für die zweite Rennhälfte benötigte ich 1:49:53 Stunden.

Zwischen beiden Hälften lagen damit gerade einmal 29 Sekunden.

Eine derart gleichmäßige Renneinteilung ist mir bei einem Marathon bisher noch nicht gelungen. Normalerweise verliert man auf der zweiten Hälfte zumindest etwas Zeit – erst recht, wenn in der Vorbereitung die langen Läufe fehlen.

Dieses Mal konnte ich mein Tempo jedoch bis zum Ende nahezu vollständig halten.

Auch meine Platzierung entwickelte sich entsprechend. Im ersten Abschnitt lag ich ungefähr auf Platz 13.382. Auf der zweiten Hälfte arbeitete ich mich bis etwa auf Platz 9.360 vor.

Viele andere Läufer wurden im späteren Rennverlauf langsamer, während ich meinen Rhythmus beibehalten konnte.

Am Ende standen 3:39:16 Stunden auf der Uhr. In meiner Altersklasse bedeutete das Platz 453.

Mit Blick auf die vergangenen Wochen ist das für mich ein außergewöhnlich gutes Ergebnis. Ohne strukturierte Marathonvorbereitung, ohne ausreichende lange Läufe und mit meiner mentalen Ausgangslage hätte ich eine solche Zeit nicht erwartet.

Verpflegung: Bewährt statt experimentell

Auch meine Energieversorgung funktionierte an diesem Tag sehr gut.

Da ich bereits beim Frühstück beziehungsweise kurz vor dem Start Maurten Drink Mix 320 und 160 verwendet hatte, nahm ich mein erstes Maurten Gel 100 erst bei Kilometer zehn.

Anschließend folgte ungefähr alle fünf Kilometer ein weiteres Gel – bei Kilometer 15, 20, 25 und 30.

Insgesamt hatte ich sechs Gels bei mir. Zusätzlich gab es in der Nähe des Wilden Ebers wieder einen Maurten-Verpflegungsstand. Dort nahm ich zwei weitere Gels mit. Eines davon nutzte ich später im Rennen, ein weiteres ungefähr bei Kilometer 40.

Diese Strategie versorgte mich zuverlässig mit Energie. Vor allem hatte ich keinerlei Magenprobleme.

Bei einem Marathon geht es bei der Verpflegung nicht nur darum, möglichst viele Kohlenhydrate aufzunehmen. Entscheidend ist, was der Körper unter Belastung tatsächlich verarbeiten kann. Deshalb ist es so wichtig, die eigene Strategie bereits im Training zu testen.

Für mich hat das System an diesem Tag sehr gut funktioniert.

Abklatschen statt Tunnelblick

Was diesen Berlin-Marathon besonders machte, waren allerdings nicht die Zwischenzeiten oder die Verpflegung.

Es war meine innere Haltung.

Bei früheren Rennen war ich häufig stark auf meine Zeit fokussiert. Ich achtete auf die Pace, beobachtete meine Zwischenzeiten und versuchte, möglichst wenig Energie an Dinge zu verlieren, die nicht unmittelbar mit meiner Leistung zu tun hatten.

Dieses Mal war ich deutlich offener für das, was entlang der Strecke passierte.

Zum ersten Mal bei einem Berlin-Marathon habe ich unzählige Kinder abgeklatscht. Überall standen sie mit ausgestreckten Händen am Straßenrand und warteten darauf, dass die Läuferinnen und Läufer reagierten.

Ich lief bewusst auf sie zu, klatschte sie ab und sah ihre Begeisterung. Manchmal bemerkte ich ein paar Meter weiter, wie sehr sich auch Eltern, Freunde und andere Zuschauer über diese kurzen Begegnungen freuten.

Das waren nur kleine Momente. Trotzdem gaben sie mir unglaublich viel.

Vielleicht hatte ich sie bei früheren Rennen übersehen, weil ich zu sehr mit mir selbst, meinem Tempo und meinem Ziel beschäftigt gewesen war.

Dieses Mal lief ich nicht nur durch die Stadt. Ich nahm den Marathon tatsächlich wahr.

„Chicago in the City“

Ich trug erneut mein Laufshirt vom Chicago-Marathon. Entsprechend hörte ich entlang der Strecke immer wieder Rufe wie „Chicago in the City“.

Auch mein Vorname stand auf der Startnummer und wurde häufig gerufen.

Wer selbst einmal einen Marathon gelaufen ist, weiß, wie viel ein persönlich zugerufener Name bewirken kann. Für die Zuschauer ist es vielleicht nur ein kurzer Moment. Für den Läufer kann genau dieser Zuruf wieder ein paar hundert Meter zusätzliche Energie bedeuten.

Ich habe diese Unterstützung dieses Mal sehr bewusst wahrgenommen und genossen.

Noch nie war ich bei einem Berlin-Marathon so entspannt unterwegs. Ich musste keine bestimmte Zwischenzeit erreichen, niemanden überholen und nichts erzwingen.

Ich durfte einfach laufen.

Und vielleicht war genau das der Grund dafür, dass mein Körper so gut mitspielte.

Das Wiedersehen am KaDeWe

Bei Kilometer 35 oder 36 wartete meine Frau am KaDeWe auf mich.

Dieser Bereich eines Marathons ist normalerweise einer der entscheidenden. Die Beine werden schwer, die Energiereserven gehen zurück und die verbleibenden Kilometer können sich sehr lang anfühlen.

Als ich meine Frau sah, ging es mir jedoch weiterhin erstaunlich gut. Ich lief relativ locker auf sie zu, machte ein paar Späße und gab ihr einen Kuss.

Für sie war dieser Moment vermutlich mindestens so erleichternd wie für mich. Sie wusste schließlich genau, wie wenig ich trainiert hatte und unter welchen Voraussetzungen ich an diesem Morgen gestartet war.

Natürlich hatte sie Sorge, dass mein Körper irgendwann nicht mehr mitspielen könnte.

Umso besser war es, dass sie mich dort noch so kontrolliert und gut gelaunt erlebte.

Auch ich spürte in diesem Moment, dass ich das Rennen sehr wahrscheinlich vernünftig zu Ende bringen würde.

Man muss nicht immer etwas beweisen

Dieser Marathon hat mir eine Erkenntnis vermittelt, die eigentlich einfach klingt, im sportlichen Alltag aber leicht verloren geht:

Ich muss niemandem mehr etwas beweisen.

Natürlich darf ich weiterhin Ziele haben. Ich darf von Bestzeiten träumen, mich auf anspruchsvolle Wettkämpfe vorbereiten und versuchen, meine Grenzen zu verschieben.

Mein Ziel für Berlin war ursprünglich eine schnelle Zeit in meiner Altersklasse. Mit einer entsprechenden Leistung wollte ich vielleicht eine weitere Qualifikationsmöglichkeit für Boston oder Tokio schaffen.

Dieses Ziel habe ich nicht erreicht.

Und das ist vollkommen in Ordnung.

Ich bin zahlreiche Marathons, Halbmarathons sowie Rennen über zehn und fünf Kilometer gelaufen. Ich weiß, wie schnell ich laufen kann. Ich weiß, was mein Körper leisten kann, wenn ich konsequent trainiere. Ich kenne aber auch die Phasen, in denen andere Dinge im Leben wichtiger werden.

Nicht jedes Rennen muss der Beweis der eigenen Leistungsfähigkeit sein.

Wenn dieser Druck verschwindet, wird der Kopf freier. Man läuft entspannter, nimmt seine Umgebung anders wahr und trifft möglicherweise sogar bessere Entscheidungen.

Zu viel Druck kann dagegen blockieren. Wer sich vollständig auf eine bestimmte Zielzeit fixiert, läuft Gefahr, Warnsignale zu ignorieren oder ein Rennen nur noch als Erfolg oder Misserfolg zu betrachten.

Wie schnell ambitionierte Pläne durch körperliche Probleme zunichtegemacht werden können, zeigte sich auch bei Esther Pfeiffer. Sie war mit einem großen Ziel gestartet, wurde jedoch durch Magenprobleme ausgebremst und konnte ihr Vorhaben nicht umsetzen.

Das ist im Leistungssport besonders bitter. Gleichzeitig zeigt es, dass sich selbst mit hervorragender Vorbereitung nicht alles kontrollieren lässt.

Ein Marathon bleibt unberechenbar.

Erfolg lässt sich nicht nur in Minuten messen

Wenn ich ausschließlich meine ursprünglich geplante Zielzeit als Maßstab nähme, hätte ich mein Ziel deutlich verfehlt.

Geplant waren ungefähr 3:15 Stunden. Im Ziel standen 3:39:16 Stunden.

Das sind mehr als 24 Minuten Unterschied.

Trotzdem empfinde ich diesen Marathon nicht als Misserfolg. Im Gegenteil: Unter den tatsächlichen Voraussetzungen fühlt sich die Leistung vielleicht sogar wertvoller an als manches schnellere Rennen.

Ich bin 56 Jahre alt. Ich hatte über Wochen kaum kontinuierlich trainiert, war mental belastet, hatte wenig geschlafen und stand ohne große Vorfreude am Start.

Trotzdem lief ich einen gleichmäßigen Marathon, blieb körperlich stabil und hatte unterwegs Freude.

Der sportliche Wert einer Leistung entsteht eben nicht ausschließlich durch die Zahl auf der Uhr. Er hängt auch davon ab, unter welchen Umständen sie erbracht wurde und welche persönliche Entwicklung damit verbunden ist.

An diesem Sonntag bestand mein Erfolg nicht darin, eine Bestzeit zu erzwingen.

Mein Erfolg bestand darin, vernünftig zu bleiben, meinen Körper ernst zu nehmen und wieder Freude am Laufen zu spüren.

Mein veränderter Blick auf Strava

Meine Aktivitäten lade ich weiterhin bei Strava hoch. Gleichzeitig habe ich mir abgewöhnt, jede Einheit ausführlich zu kommentieren oder mich dafür zu rechtfertigen, wenn ein Lauf einmal nicht so gut war.

Warum sollte ich erklären müssen, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe?

Und wen interessiert es tatsächlich, ob ich an einem bestimmten Tag ein paar Sekunden schneller oder langsamer unterwegs war?

Natürlich kann es motivierend sein, Training mit anderen zu teilen. Man kann sich gegenseitig unterstützen, Ideen austauschen und sich von den Leistungen anderer inspirieren lassen.

Trotzdem sollte man sich fragen, für wen man eigentlich trainiert.

Laufe ich für mich? Oder laufe ich, weil ich glaube, dass andere beobachten, wie schnell, wie weit und wie regelmäßig ich trainiere?

Schaut tatsächlich jemand darauf, was ich mache? Und selbst wenn es so wäre: Sollte das einen Einfluss auf meine Entscheidungen haben?

Für mich wird diese Außenwirkung zunehmend unwichtiger.

Ich möchte nicht das Gefühl haben, jede Trainingseinheit erklären oder rechtfertigen zu müssen. Ein schlechter Lauf ist ein schlechter Lauf. Manchmal gibt es dafür einen konkreten Grund, manchmal auch nicht.

Nicht jede Einheit braucht eine Analyse. Nicht jedes Training muss perfekt sein. Und nicht jede Aktivität benötigt eine Geschichte für andere.

Ein Trainingsplan muss zum Leben passen

Der Name meiner Website lautet „Laufen nach Plan“. Trotzdem bedeutet das für mich nicht, einen Trainingsplan unter allen Umständen stur abzuarbeiten.

Ein Plan ist ein Werkzeug. Er gibt Orientierung, strukturiert Belastung und Regeneration und hilft dabei, ein sportliches Ziel systematisch vorzubereiten.

Aber kein Trainingsplan kennt das gesamte Leben eines Menschen.

Er weiß nichts von familiären Verpflichtungen, beruflichen Veränderungen, schlaflosen Nächten oder mentalen Belastungen. Er kann nicht vorhersehen, wann die Energie für eine intensive Einheit fehlt oder wann andere Dinge wichtiger sind.

Beruf, Familie, Privatleben, Gesundheit und selbst die Jahreszeit beeinflussen unser Training.

Deshalb muss ein guter Plan anpassbar bleiben.

Manchmal ist es richtig, eine Einheit zu verkürzen. Manchmal ist ein zusätzlicher Ruhetag sinnvoller als ein erzwungener Tempolauf. Und manchmal entwickelt sich ein ganzes sportliches Ziel anders als ursprünglich gedacht.

Das ist kein persönliches Versagen.

Der Plan muss zum Leben passen – nicht das Leben um jeden Preis zum Plan.

Erstaunlich schnelle Erholung

Zwei Tage nach dem Marathon lief ich bereits wieder zehn lockere Kilometer.

Dabei wollte ich nicht testen, wie schnell ich schon wieder laufen kann. Es ging nur darum, den Körper vorsichtig zu bewegen und zu beobachten, wie er auf die Belastung reagiert.

Auch hier war ich überrascht.

Die Beine fühlten sich erstaunlich gut an. Ich hatte keine nennenswerten Schmerzen und auch nicht den typischen schweren Muskelkater, den man nach einem Marathon erwarten könnte.

Natürlich werde ich meinem Körper trotzdem ausreichend Zeit zur Erholung geben. Nur weil sich die Beine gut anfühlen, bedeutet das nicht, dass alle Strukturen bereits vollständig regeneriert sind.

Muskeln, Sehnen, Gelenke und das gesamte Immunsystem wurden über 42,195 Kilometer stark beansprucht. Diese Belastung sollte man auch dann respektieren, wenn man sich subjektiv bereits wieder fit fühlt.

Die gute Erholung bestätigt für mich jedoch, dass ich mein Rennen vernünftig eingeteilt habe.

Boston, Wien oder vielleicht Paris?

Nun warte ich gespannt darauf, ob ich bei der Vergabe der 1.000 zusätzlichen Startplätze für den Boston-Marathon 2027 Glück habe.

Die Chance ist klein, aber sie ist vorhanden.

Sollte es mit Boston nicht klappen, steht mein nächstes großes Ziel grundsätzlich bereits fest: Mitte April möchte ich beim Wien-Marathon starten. Dort bin ich schon einmal gelaufen. Es wäre also meine zweite Teilnahme.

Vielleicht könnte Wien der Ort sein, an dem ich meine persönliche Bestzeit noch einmal angreife – diesmal mit einer Vorbereitung, die diesen Namen auch verdient.

Gleichzeitig überlege ich, mich noch heute, am Mittwoch, dem 30. September, für die Verlosung der Startplätze beim Paris-Marathon anzumelden. Paris findet Anfang April statt und liegt damit zeitlich relativ nah am Wien-Marathon.

Sollte ich einen Startplatz für Paris erhalten, müsste ich eine Entscheidung treffen. Möglicherweise würde ich dann Paris laufen, auf Wien verzichten und versuchen, meinen dortigen Startplatz weiterzugeben.

Noch ist nichts entschieden.

Vielleicht ist es nach den vergangenen Monaten auch ganz gut, nicht sofort wieder alles bis ins letzte Detail festzulegen. Ein Ziel darf entstehen. Es muss nicht immer sofort vollständig durchgeplant sein.

Mein Fazit: Anders als geplant, aber genau deshalb besonders

Der Berlin-Marathon 2026 verlief vollkommen anders, als ich es zu Beginn des Jahres erwartet hatte.

Ich wollte leichter, schneller und bestens vorbereitet an der Startlinie stehen. Ich wollte meine persönliche Bestzeit angreifen und eine Zeit laufen, mit der sich vielleicht eine weitere Tür zu einem der großen internationalen Marathons öffnen würde.

Stattdessen stand ich müde, mental belastet und nahezu ohne echte Marathonvorbereitung im Startblock.

Mein ursprünglicher Plan war längst nicht mehr realistisch.

Trotzdem wurde dieser Marathon nicht zum Scheitern meines Plans. Er wurde zu einer Erinnerung daran, weshalb ich überhaupt laufe.

Ich laufe nicht nur für Bestzeiten.

Ich laufe, weil Bewegung mir Struktur gibt. Weil ich dabei nachdenken und gleichzeitig abschalten kann. Weil mein Körper zu erstaunlichen Leistungen fähig ist. Weil an einer Marathonstrecke Kinder mit ausgestreckten Händen stehen. Weil fremde Menschen meinen Namen rufen. Weil meine Frau bei Kilometer 35 auf mich wartet. Und weil es ein großartiges Gefühl ist, nach 42,195 Kilometern die Ziellinie zu überqueren.

Die 3:39:16 Stunden werden in keiner Bestenliste für großes Aufsehen sorgen.

Für mich erzählen sie jedoch eine besondere Geschichte.

Sie erzählen von einem schwierigen Abschnitt, von verlorener Motivation und fehlender Vorbereitung. Aber auch von Erfahrung, Vernunft, innerer Ruhe und der Fähigkeit, einen Plan loszulassen.

Vielleicht lag die größte Leistung dieses Marathons deshalb nicht in meiner Zielzeit.

Vielleicht bestand sie darin, dass ich an diesem Sonntag wieder Freude am Laufen gefunden habe.

Manchmal ist ein Marathon gerade dann besonders wertvoll, wenn er nicht nach Plan verläuft.

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