KÖNIGSDISTANZ NEW YORK MARATHON 2025

Baltimore statt JFK – ein Marathon, der schon im Flugzeug begann

Wir waren ganz entspannt nach Frankfurt gefahren, hatten dort übernachtet und wollten am nächsten Morgen gemütlich mit Condor nach New York fliegen. Der Plan: einfach.
Die Realität: ein Abenteuer in Dauerschleife.

Turbulenzen? Ja, angekündigt.
Flughafen geschlossen? Nicht erwähnt.

Gregor Jaeger läuft durch den Central Park beim New York Marathon 2025
Ein Marathon auf eine andere Art

Es gibt Läufe, die trägt man ein Leben lang in sich.
Und dann gibt es Läufe wie New York – Läufe, die einen verändern.

Nicht weil sie perfekt sind, sondern weil sie so unberechenbar, lebendig und laut sind, dass man das Gefühl hat, mitten in einem Film zu laufen.

Doch bevor überhaupt ein Schritt gesetzt ist, beginnt dieser Film schon in der Luft.

Der Tag begann eigentlich normal, doch schon früh im Flug zeichnete sich ab, dass etwas nicht stimmt. Auf den Bildschirmen im Sitz sah ich, wie wir unaufhörlich über New York kreisten. Immer wieder dieselbe Runde, immer wieder dieselbe Hoffnung, dass gleich die Freigabe zur Landung kommen müsse. Doch draußen tobten die extremen Wetterbedingungen, und am Boden am JFK ging längst nichts mehr: Zu viel Wasser, keine Starts, keine Landungen.

Und dann passierte dieser Moment, in dem aus dem Kreisen plötzlich eine neue Fluglinie auf dem Bildschirm auftauchte: Neues Ziel: Baltimore.
Puh … WOW. Eine weitere Stunde Flug. Ein komplett anderer Flughafen. Und sofort die Frage in meinem Kopf, in Iris’ Kopf, und sicher auch in den Köpfen aller anderen Passagiere: Wie geht es jetzt weiter?

Gregor Jaeger im Condor Flieger auf dem Weg nach New York City 2025

Unten am Rollfeld von Baltimore wurden wir erst einmal an einen Platz gefahren, wo die Maschine betankt wurde. Der Kapitän meldete sich mit einer Mischung aus Updates, Vermutungen und kleinen Informationshäppchen zur Wettersituation in JFK und dem möglichen weiteren Ablauf. Während wir warteten, verging endlos Zeit. Der Flieger war voller Marathonläufer – und alle hatten ein einziges Ziel: nach New York.

Dann kam die Durchsage, die ein Gefühl von Hoffnung erzeugte:
„JFK ist wieder offen. Die Maschine ist betankt. Wir könnten bald weiterfliegen.“

Und kurz darauf der Schlag ins Gesicht:
„Wir bekommen keinen Slot mehr.“

Ende der Durchsage. Keine weitere Information.
Wir alle schauten uns nur an – fragend, irritiert, fassungslos.
Was passiert jetzt? Kommt da noch etwas?
Doch es kam nichts mehr. Der Flugbetrieb wurde eingestellt, und alle Passagiere mussten das Flugzeug verlassen.

Ich dachte nur: Was für eine Scheiße … was geht hier bitte gerade ab?

Vom Rollfeld ging es in Richtung Terminal. Auf dem Weg zur Passkontrolle lernten wir einen netten Mitpassagier kennen, ebenfalls Läufer, ebenfalls mit dem Ziel, so schnell wie möglich nach New York zu kommen. Baltimore … wo liegt das eigentlich genau?
Google Maps gab uns die brutale Antwort: 380 Kilometer von New York entfernt.

Während wir in der Schlange standen, war um uns herum jedes Handy im Einsatz. Jeder suchte nach einer Lösung. Bus? Zug? Mietwagen?
Übernachten und erst morgen weiter – keine Option für uns.

Uber wurde unsere Rettung.
Die Entscheidung musste schnell fallen, denn die Preise stiegen quasi im Sekundentakt. Endlich durch die Sicherheitskontrollen, jetzt die Suche nach unseren Koffern. Raus aus dem Flughafen, Blick aufs Handy, Uber buchen.

Nach etwa zwanzig Minuten hatten wir Glück:
Ein supernetter Fahrer mit einem neuen Volvo V70 SUV nahm uns mit. In all dem Chaos hatten wir gleich zwei positive Begegnungen: unseren Mitläufer und unseren Fahrer – zwei Menschen, die ungewollt Teil dieses verrückten Abenteuers wurden.

Die gut vierstündige Autofahrt verging fast wie im Flug – was ironisch war, denn wir waren ja tatsächlich schon den halben Tag unterwegs. Aber wir waren aufgeregt, erleichtert, und irgendwie sogar glücklich, dass wir trotz allem noch Glück im Unglück hatten.

Kurz vor Mitternacht rollten wir endlich nach Manhattan hinein.
Das Hotel „The Time“ suchend, müde, erschöpft. Ankommen, aussteigen, atmen.
Doch die nächste Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten: Das Zimmer war eine Katastrophe. Ein Kellerloch, weit entfernt von dem, was man bei einer teuren Marathonreise erwartet. Schlaf? Unmöglich.

Gregor Jaeger im Hotelzimmer The Time in New York 2026

Am nächsten Morgen – völlig übermüdet – suchte ich sofort das Gespräch mit unserer DERTOUR-Ansprechpartnerin. Offenbar waren wir nicht die einzigen Gäste mit Problemen, aber niemand hatte ein Zimmer erwischt wie unseres. Nach ein paar Gesprächen – und einem Frühstück außerhalb des Hotels – bekamen wir endlich ein neues Zimmer: Doppelbett, mehr Platz, ein Fenster, ein vernünftiges Bad.

Nach 48 Stunden voller Stress, Wetterchaos, Entscheidungen, Unsicherheiten und wenig Schlaf waren wir endlich angekommen.

Der Wendepunkt:
Ein erstes leckeres Frühstück mit unseren liebsten Lauffreunden Daniela und Chris.
Ein neues Zimmer.
Ein bisschen Ruhe.

Und dann fühlte es sich endlich so an:
Wir sind jetzt wirklich in New York.

Die Messe – New York in seiner reinsten, lautesten Form

 Was mich auf der Messe am meisten fasziniert hat, war nicht nur die Größe oder das pulsierende Gewusel aus Läufern aus aller Welt — sondern dieses eine unglaubliche Detail: Wie viel jeder einzelne dort ausgibt.

Ich hatte vorher schon gehört, dass die New-York-Expo eine Art „Tempel“ für Lauf-Merchandise sein soll, aber erst wenn man dort steht, versteht man die Dimensionen. Es sind nicht einfach ein oder zwei Teile, die ein Läufer kauft. Es ist ein richtiger Kaufrausch. Jeder läuft dort mit vollen Tüten herum: Jacken, Shirts, Hoodies, Caps, Longsleeves, Taschen, Tassen, Pins, Trinkflaschen — und sehr viele kaufen gleich mehrere Varianten, weil man „diesen Moment nur einmal erlebt“.

Und wenn man das zusammenrechnet, wird einem klar, was das für eine Einnahmequelle ist.
Mehr als 55.000 Läufer, dazu deren Begleitpersonen. Wenn ein Teilnehmer im Schnitt nicht 1–2 Artikel kauft, sondern eher zwischen 3 und 6 (für viele sind 300–500 Dollar schnell erreicht), dann wird deutlich: Hier läuft ein Umsatz, der in anderen Branchen ein komplettes Quartal finanzieren würde.

Ich stand zwischendrin da und dachte:
„Wahnsinn… was für eine Maschine dieser Marathon ist.“

Es geht nicht nur ums Laufen.
Es ist ein Lifestyle-Event.
Ein Symbol.
Ein globales Ereignis mit einer emotionalen Kaufkraft, wie man sie nur selten sieht.

Und gleichzeitig fühlte es sich für mich als Läufer vollkommen normal an. Du bist euphorisch, stolz, aufgeregt — und du willst ein Stück davon mitnehmen. Nicht nur in Form der Medaille, sondern in Form von etwas, das du tragen kannst, das dich an diesen einmaligen Moment erinnert.

Wenn man dann die offiziellen Besucherzahlen der Messe sieht — über 100.000 Besucher, teils deutlich mehr in einzelnen Jahren — wird klar, dass diese Expo nicht einfach ein Nebenschauplatz ist:
Sie ist ein finanzielles Kraftwerk.
Ein Schmelztiegel der Marken.
Und ein emotionaler Magnet, der Läufer aus aller Welt dazu bringt, Summen auszugeben, über die man im Alltag zweimal nachdenken würde.


5K und 30.000 Schritte – und trotzdem frische Beine

Der Samstagmorgen begann mit meinem allerersten Lauf durch die Straßen von New York. Wir hatten trockenes Wetter, angenehme Temperaturen, und sogar die Sonne ließ sich schon früh blicken. Und ja – etwas, das ich vor einem Marathon eigentlich nie mache, habe ich hier in NEW YORK ganz bewusst getan: meinen ersten offiziellen 5K-Lauf absolviert.
Der „Abbott Dash to the Finish Line 5K“ startet am United Nations Headquarters, führt die 1st Avenue hinauf, biegt später in Richtung Central Park ab und endet – spektakulär – auf derselben Zielgeraden, auf der wir am nächsten Tag den Marathon finishen würden.

Gregor Jaeger auf dem Time Square vor dem 5k Lauf November 2025
Auf zum 5K Lauf NEW YORK CITY TIMES SQUARE

Wir waren inzwischen zu sechst unterwegs: Daniela, Chris, Michael, Marcel, Iris und ich. Schon früh trafen wir uns am Times Square und gingen danach ganz entspannt gemeinsam Richtung Startbereich. Ich hatte meine Insta360 Ace Pro dabei, um diese ersten Laufmeter in New York bildlich und filmisch festzuhalten – ein Gefühl, das man nicht wiederholen kann.

Für mich war ziemlich schnell klar, dass ich diesen Lauf mit Michael und Marcel zusammen laufen möchte – ohne Pace, ohne Druck, einfach mit Spaß, Schulter an Schulter, durch diese Wahnsinnsstadt.
Chris begleitete Daniela auf ihrem 5K-Comeback – ihr erster Lauf über diese Distanz seit sehr langer Zeit. Und sie finishte ihn strahlend im Central Park, genauso wie wir. Es war ein Moment echter Freude, für sie und für uns, die wir diese Atmosphäre gemeinsam einatmeten.

Der Lauf selbst hatte eine Wucht, die ich so nicht erwartet hatte. Immer wieder dachte ich:
„Wenn der 5K schon so elektrisierend ist – was wird morgen am Marathontag erst los sein?“

All die Jahre habe ich den Zieleinlauf des New York Marathons nur im Fernsehen gesehen. Und plötzlich lief ich selbst hier hinein – gleich zweimal an diesem Wochenende. Einmal beim 5K und morgen Mittag beim großen New York City Marathon.

Nach dem Zieleinlauf ging es zurück ins Hotel. Wir entspannten kurz, Iris hatte ein kleines Frühstück im Zimmer vorbereitet, und danach machten wir einen gemütlichen kleinen Sightseeing-Rundgang durch die New Yorker Straßen. Der perfekte Mix aus Vorfreude, Ankommen und diesem Gefühl, dass das Abenteuer jetzt wirklich beginnt.

Gregor Jaeger im Central Park Zieleinlauf 5K Lauf
5K Lauf am 01.November2025 in New York City

Am Abend trafen wir uns – wie schon so oft vor großen Läufen – bei einem Italiener (Angelos Pizza, 1697 Broadway New York City) leckerer Pasta und Pizza. Leider ohne Iris. Sie war im Hotel geblieben, es ging ihr überhaupt nicht gut. Zum Glück sollte es am Sonntag wieder deutlich besser sein.
Ich bestellte wie immer meine absolute Lieblings-Pizza vor einem Marathon: eine einfache, perfekte Margherita. Knuspriger Boden, frisch, nicht zu groß, genau richtig. Über den Tag hinweg hatte ich – wie auch schon am Vortag – reichlich getrunken und meine Maurten-Strategie konsequent umgesetzt: 320 und 160 über den Tag verteilt. Ich – wir – können diesen Italiener empfehlen über OpenTable habe ich ca. 8 Wochen vor der Anreise nach New York dieses Restaurant für den Freitag & Samstag vorab reserviert gehabt. An dem Samstagabend war die vorab Reservierung sehr hilfreich gewesen, den es war Rappel voll.

Maurten 320 und 160
Für mich ist Maurten 320 und 160 wie eine Art Treibstoff, der meinen Körper sauber und konstant mit Energie versorgt. Das 320er ist das stärkere von beiden – mehr Kohlenhydrate pro Flasche, dichter, schwerer, perfekt für die Speicher. Ich trinke es in kleinen Schlucken über mehrere Stunden, damit der Körper kontinuierlich abgefüllt wird.
Das 160er ist die leichtere Variante. Es hält meinen Energiehaushalt stabil, ohne zu belasten. Beide funktionieren über Hydrogel-Technologie, das heißt: Die Kohlenhydrate werden im Magen „gekapselt“ und kommen dadurch sanft und zuverlässig im Körper an, ohne Magenprobleme.
Ziel: Speicher maximal füllen, Magen ruhig halten, Energiefluss konstant. Und genau so mache ich es vor jedem großen Rennen.

Gegen 21 Uhr waren wir dann wieder im Hotelzimmer. Meine Laufklamotten lagen schon perfekt vorbereitet auf dem Bett – ich musste mich um absolut nichts mehr kümmern. Selbst das Frühstück auf dem Zimmer – Toast und Marmelade – hatte ich schon bereitgelegt. Die Maurten-Flüssigkeit (320 & 160) war ebenfalls fertig gemischt und stand bereit für den großen Tag.
Also lag der Fokus jetzt nur noch auf etwas Entspannung, ein bisschen Fernsehen, nichts Aufregendes.

In der Nacht wurden die Uhren um eine Stunde umgestellt – und für mich war das ein Geschenk. Endlich eine perfekte Schlafnacht vor einem Marathon.

Um 4 Uhr klingelte der Wecker, aber ich war schon 15 Minuten vorher hellwach. Und ich fühlte mich richtig gut. Topfit, obwohl es so früh am Morgen war. Ich trank ein bisschen Wasser, dann nach und nach mein Maurten 320 – 500 ml, Schluck für Schluck. Dazu einige Toastscheiben mit Erdbeermarmelade.
Dann langsam umziehen, noch einmal der Wettercheck: Trocken. Kaum Wind. 8 Grad. Es würde sonnig werden.Perfektes Laufwetter.
Mein Flüssigkeitshaushalt war schon am Vortag gut gefüllt, heute Morgen final abgerundet – und zum Glück vertrage ich die Maurten-Getränke wirklich hervorragend.

Schuhe an, ein letztes Foto, und raus aus dem Hotel: Um 6 Uhr sollten wir mit den Bussen abgeholt werden – alles organisiert durch DERTOUR.
Die Busfahrt dauerte gut eine Stunde. Schon unterwegs sah man überall Läufer, die sich mit Bahn, Taxi oder dem Schiff auf den Weg machten.

Der Startbereich
Der Start findet in Fort Wadsworth auf Staten Island direkt an der Verrazzano-Narrows Bridge ist ein Mythos.

Die Verrazzano-Narrows Bridge, die Staten Island mit Brooklyn verbindet. Genau dort startet man – mitten auf dieser gigantischen zweistöckigen Brücke. Der Anblick am frühen Morgen ist unbeschreiblich: Tausende Läufer, Hubschrauber, blinkende Sirenenleuchten, Volunteers, Sicherheitskontrollen. Ein eigener Kosmos mit Blick auf die Skyline von New York.
Bevor man wirklich im Startbereich ist, muss jeder noch durch eine strikte Sicherheitskontrolle – Taschen, Kleiderbeutel, alles wird geprüft. Erst danach öffnet sich der Blick auf die berühmten Farb-Waves und die einzelnen Start-Corrals.

Ich war in Wave 1, Startzeit 9:10 Uhr. Allzu viel Zeit blieb mir also nicht. Schnell noch zwei Toilettenstopps, dann war mein Corral geöffnet.
Wichtig: Wenn man es nicht rechtzeitig in seinen Corral schafft, wird man in den nächsten eingestuft. Darum achtete ich darauf, rechtzeitig drin zu sein.

Noch 15 Minuten warten. Dann die Durchsage:
„Corral 1, bereit machen! Wir gehen Richtung Startbereich.“

Und dann sieht man sie plötzlich:
Die Verrazzano-Narrows Bridge.
Ich starte oben, ganz links, auf der oberen Ebene. Die Brücke ist ewig lang – 2,6 Kilometer – und sie hat Höhenmeter, die man nicht unterschätzen darf. Der erste Kilometer geht sofort bergauf, rund 40–50 Höhenmeter. Als Überraschung eignet sie sich nicht – man muss sie mental kennen. Und trotzdem ist sie am Renntag pure Magie.

Ich hatte meine Insta360 Ace Pro dabei. Zum ersten Mal wollte ich diesen Moment wirklich festhalten – diesen Start, diese Stimmung, diese Energie.

Und dann passiert alles gleichzeitig:
Die Elite-Läufer waren schon auf dem Weg.
Die Nationalhymne beginnt erneut.
Man hört Gänsehaut durch die Menge gehen.
„READY?“ wird gefragt.
Alle gleichzeitig:
„YESSSSS!!!“
Stille.
Ein Schuss, laut wie eine Kanonensalve.

Das war unser Zeichen. Mein Zeichen. Der Marathon startet.
Geil. Geil. Geil.

Vor uns: die Verrazzano.
Der schönste Startbogen der Welt.
Links die Wasserfontänen der Fire-Boats.
Rechts die Manhattan-Silhouette.
Über uns Hubschrauber, links, rechts, kreisen.
Und um mich herum Läufer aus aller Welt – bereit.


Die ersten Kilometer – kontrolliert, frei, fließend

Ich lief bewusst eine 4:30er Pace, stabil, kraftvoll, aber kontrolliert.
Und ich hatte einen riesigen Vorteil:

Ich trug eine 0,33-Liter-Trinkflasche in der Hand.

Ich war durch das Morten 320 und 160 bereits bestens hydriert, hatte am Start nochmal einen halben Liter getrunken – und so konnte ich die ersten drei Verpflegungsstationen komplett links liegen lassen.

New York City Marathon 2025 Clip 1

Ein echter Gamechanger:

  • keine Staus
  • kein Ausweichen
  • keine hektischen Bewegungen
  • keine Pfützen
  • kein Rhythmusverlust

Dazu meine Maurten-Strategie: alle 6 Kilometer ein Gel.
Perfekt im Flow.


Brooklyn – die Stadt, die dich trägt

Die Stimmung war von Beginn an unfassbar.
Warm, sonnig, laut – ein einziger vibrierender Teppich aus Musik, Freude und Euphorie.

Brooklyn trägt dich, Brooklyn hebt dich, Brooklyn schreit dich nach vorne.
Es gibt kein anderes Wort: bombastisch.


Williamsburg – ruhiger, aber mit seiner ganz eigenen Geschichte

Dann Laufabschnitt Nummer zwei: das jüdisch-orthodoxe Viertel.
Plötzlich Ruhe.
Links und rechts Menschen in traditionellen Kleidern, die beobachten, wie die riesige Läufermasse vorbeizieht – und wirken, als wären sie jedes Jahr aufs Neue überrascht, dass gerade Marathon ist.

Eine Szene bleibt hängen:
Ein orthodoxer Vater schiebt sein Kind im Kinderwagen mitten auf der Straße, versucht vorsichtig die Läufer zu kreuzen. Ganz ruhig, aber hochkonzentriert.
Ein typisches New-York-Bild: absurd, witzig, herzlich.


Queens & Queensboro – der stille Tunnel, der explodierende Ausgang

Die Stimmung fällt ab – aber genau das ist gut.
Man sammelt sich, atmet durch, bleibt fokussiert.

Dann der Queensboro Bridge.

Ein Anstieg, der zieht.
Aber jeder weiß: oben wartet die pure Gänsehaut.

Und dann geschieht es:
Du kommst runter auf die First Avenue – und New York explodiert.
Wie ein Stadion mit einer Million Fans.
Du wirst förmlich nach vorne katapultiert.


Die Bronx – kurz, intensiv, laut

Nur wenige Kilometer in der Bronx, aber voller Energie.
Musik, Trommeln, Rufe, High Fives.
Ein kurzer, wilder Schub.


Manhattan zurück – die Wahrheit des Rennens

Die Beine werden schwerer.
Die Wärme war intensiver als gedacht.
Aber meine Carbon-Schuhe arbeiteten, mein Kopf blieb ruhig.

Jedes 6-Kilometer-Gel tat, was es sollte.
Ich lief weiter stabil, spürte aber die bevorstehenden Steigungen.

Central Park – der schönste, härteste Schlussakt der Welt

Dann kam der Central Park.
Dieser Park, von außen so idyllisch, ist im Marathon ein Biest.

Ständig Wellen.
Keine Sekunde flach.
Der berühmte letzte Anstieg vor dem Ziel – der zieht dir alles aus den Beinen.
Aber gleichzeitig gibt er dir alles zurück, was du brauchst.

Die Stimmung im Park: ein tobender Kessel.
Schreie, Rufe, Fahnen, Musik – überall Emotion.

Und dann:
die letzten Meter.
Ich sah die Zielbanner, spürte das vertraute Ziehen im Hals, dieses Knistern in der Brust, wenn du weißt:

Es ist geschafft.

Mit 3:27:57 Stunden lief ich über die Linie.
Glücklich.
Leer und voll zugleich.
Einfach angekommen.

Mein vierter Majorstern.
Mein zweiter Marathon auf US-Boden.
Ein Lauf, der unvergesslich bleibt.

New York City Marathon 2025 Clip 2

Der Lauf, der für immer bleibt
Gregor Jaeger posiert nach dem Finish des New York Marathon 2025
new-york-marathon-selfie.jpg

New York ist kein normaler Marathon.
New York ist ein Erlebnis, ein Kapitel, ein Film.
Laut, wild, emotional, unberechenbar – und gleichzeitig zutiefst menschlich.

Ich bin dort gestartet als Läufer.
Ich bin dort angekommen als jemand, der etwas erlebt hat, das man nicht in Worte fassen kann – und es trotzdem versucht.

Dieser Tag, diese Reise, diese Nacht in Baltimore, diese Menschen, diese Stadt, diese Steigungen, diese 3:27:57 –
das alles bleibt.
Für immer.

Der Abend nach dem Marathon – ein stiller Stolz, gemeinsames Lachen und ein Glücksgriff, den keiner erwartet hatte

Der Abend nach dem Marathon hatte eine ganz eigene Energie. Man ist vollkommen erschöpft, aber gleichzeitig irgendwie aufgeladen, noch voller Adrenalin, Erinnerungen und diesem warmen Gefühl im Bauch, das man nur nach so einem Lauf verspürt. Genau in dieser Stimmung machten wir uns zu sechst auf den Weg ins Park Central Hotel, wo DERTOUR von 18 bis 20 Uhr eine kleine Marathon-Party ausgerichtet hatte. Ein schickeres Hotel, mehr Platz, eleganterer Stil – man merkte sofort, dass es zu den hochwertigeren Unterkünften der DERTOUR MARATHON Reise gehörte.

Drinnen herrschte dieses besondere Nach-Marathon-Murmeln. Gläser klirrten, Menschen lachten, erzählten sich gegenseitig ihre Erlebnisse, und überall sah man Augen, die noch genauso funkelten wie ihre Medaillen. Wir trafen uns pünktlich um 18 Uhr, stießen an – manche mit Bier, manche mit alkoholfreien Drinks oder Cocktails – und sofort waren wir wieder mittendrin in diesem wunderbaren Austausch über das, was wir wenige Stunden zuvor erlebt hatten. Es tat gut, diese Momente zu teilen. Niemand war unzufrieden, niemand haderte – jeder erzählte seine Geschichte mit einer Mischung aus Stolz, Erleichterung und leiser Emotion.

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Micha und Marcel, die hier ihren zweiten Major liefen, strahlten regelrecht. Man sah ihnen an, wieviel dieser Tag auch für sie bedeutete. Und während wir dort saßen und uns durch die Getränkeauswahl probierten, dachte ich kurz: Vielleicht hätte man von der DERTOUR Veranstaltung aus noch ein paar Worte an die Läufer richten können. Ein kleines Dankeschön, ein paar Sätze zur Gemeinschaft – irgendetwas. Vielleicht habe ich es überhört, aber ich glaube, es gab keine direkte Ansprache. Nicht schlimm, aber so ein paar Worte hätten dem Moment gutgetan. Dennoch: Insgesamt war diese kleine Feier eine schöne Möglichkeit, die ersten Eindrücke zu sortieren, bevor die Müdigkeit so richtig einsetzt.

Gegen 20 Uhr machten wir uns auf den Weg zu unserer Restaurantreservierung im „Benihana“ . Eigentlich eine gute Wahl: Live Cooking am Tisch, ein wenig Show, gutes Essen nach einem langen Tag. Ich hatte für 20:30 Uhr reserviert und dachte, wir könnten uns dort gemütlich zurücklehnen. Die Realität? Wir standen erst einmal eine halbe Stunde in einem überfüllten Eingangsbereich herum, völlig ausgehungert.

Als wir endlich hochgeführt wurden, standen wir in einem Raum, der eher wirkte wie ein lauter, überfüllter Food Court. Keine Atmosphäre, stickige Luft, rappelvoll, eng – absolut nicht das, was man nach einem Marathon-Abenteuer möchte. Und dann sollten wir uns auch noch mit zwei fremden Personen an einen Tisch setzen. Nichts gegen andere Leute, aber an so einem Abend möchte man einfach unter sich bleiben. Wir schauten uns an – alle mit dem exakt gleichen Gesichtsausdruck. Keiner musste etwas sagen. Raus hier. Und zwar sofort.

Das war einer dieser spontanen Team-Momente, in denen man merkt, wie eingespielt und harmonisch eine Gruppe sein kann. Wir drehten uns einfach um und gingen.

Keine 200 Meter weiter blieb jemand stehen: „Hey, das sah doch gerade richtig nett aus!“
Wir drehten wieder um – und standen vor einem kleinen Thai Restaurant Namens Topaz, das uns sofort ein besseres Gefühl gab. Warmes Licht, gemütliche Einrichtung, ruhiger, freundlicher Empfang. Wir bekamen einen schönen Tisch, hatten Platz, und plötzlich fühlte es sich wieder richtig an. Dieses Restaurant war ein Volltreffer.

Und dann kam der Moment, den keiner erwartet hatte: Als Marathonläufer bekamen wir eine Flasche Champagner spendiert. Keine Billigplörre, sondern richtig leckerer Champagner. Wir haben gelacht, angestoßen, gegessen – und zwar unglaublich gut: frisch, aromatisch, genau das Richtige nach diesem Tag. Alles zu einem wirklich fairen Preis. Dieser Abend, der eigentlich zu scheitern schien, wurde zu einem unserer schönsten Abende der gesamten Reise.

Gegen zehn, halb elf fiel dann die Müdigkeit wie ein schwerer Vorhang. Wir verabschiedeten uns voneinander und sind fast gleichzeitig in unsere Hotelbetten gesunken. Und obwohl der Marathon offiziell vorbei war, wusste jeder von uns: Der Montag würde nochmal besonders werden.

Der Medaillen-Monday – ein Tag, der in New York eine eigene Magie hat. Und über den möchte ich unbedingt im nächsten Abschnitt ausführlich berichten.

Medaillen-Monday – der Marathon klingt nach

Der Montag nach dem Marathon fühlte sich anders an. Die Beine waren schwer, der Körper müde, aber der Kopf noch immer voller Bilder. Es ist dieser besondere Zustand nach einem großen Lauf: körperlich erschöpft und zugleich innerlich hellwach. Genau so begann unser Medaillen-Monday – ruhig, bewusst und voller Eindrücke.

Unser erster Weg führte uns zum World Trade Center Memorial. Ein Ort, der einen automatisch langsamer werden lässt. Still, würdevoll, nachdenklich. Mitten in einer Stadt, die sonst niemals innehält, entsteht hier Raum für Ruhe. Dort zu stehen, die Medaille um den Hals, verlieh diesem Moment zusätzliche Tiefe. Dankbarkeit mischte sich mit Demut – für den eigenen Lauf, für die Möglichkeit, hier zu sein, für all das, was man oft als selbstverständlich hinnimmt.

Anschließend ging es hinauf auf das One World Trade Center. New York von oben zu sehen ist immer beeindruckend, doch an diesem Tag hatte es eine besondere Bedeutung. Die Marathonstrecke lag unter uns, plötzlich überschaubar und zugleich gewaltig. Genau diese Gegensätze machen New York aus. Und genau deshalb bleibt dieser Blick so eindrücklich.

Am Abend folgte ein sehr persönlicher Moment: die Gravur der Medaille im Central Park. Name, Zeit, Ort – festgehalten für immer. Ein stiller Akt, der dem Marathon seinen endgültigen Platz gab. Danach ließen wir uns mit der Kutsche ein Stück durch den Park fahren. Langsam, entschleunigt, fast surreal nach all den intensiven Tagen. Und als Höhepunkt dieses Tages ging es spät am Abend noch hinauf auf das SUMMIT. Hoch über Manhattan, bei Nacht, mit Blick auf diese endlose Stadt aus Licht. Still stehen, schauen, aufnehmen – ein Moment, der bleibt.

Es war ein anstrengender Tag. Aber es war ein wunderschöner Tag.

New York nach dem Marathon – die Reise geht weiter

Der Medaillen-Monday war kein Abschied. Wir blieben noch bis Freitag in New York – und diese Tage waren genauso intensiv wie der Marathon selbst.

Wir spazierten über die komplette Brooklyn Bridge, Schritt für Schritt, mit Blick auf Manhattan. Wir standen in DUMBO an diesem berühmten Hotspot, der auf Fotos schon beeindruckt – in Wirklichkeit aber noch viel mehr lebt. Wir waren im Moulin Rouge Theater, ließen uns nachts mit dem Schiff an der Freiheitsstatue vorbeifahren, standen auf Staten Island und genossen den Blick vom Rockefeller Center.

Wir liefen durch Chinatown und Soho, tauchten ein in diese Viertel, die so unterschiedlich sind und doch typisch New York. Immer wieder zog es uns in den Central Park – zum Gehen, zum Durchatmen, zum Verarbeiten. New York hat uns nicht losgelassen. Und wir wollten es auch nicht.

Zu diesen Tagen gehörte auch ein Besuch, der für mich als Läufer fast schon Pflicht ist: der Tracksmith Store in New York. Ein Ort, an dem man sofort spürt, dass es hier nicht um Trends geht, sondern um Laufkultur. Um Geschichte. Um Qualität. Wir haben dort reichlich eingekauft – ganz bewusst. Ich liebe diese besondere Qualität der Tracksmith-Kleidung: die Stoffe, die Verarbeitung, das Gefühl, etwas in den Händen zu halten, das für viele Kilometer gemacht ist. Kleidung, die man nicht nur trägt, sondern erlebt. Für mich passt Tracksmith perfekt zu dem, wofür ich laufe: ruhig, fokussiert, mit Anspruch – und ohne Kompromisse.

Dieser Besuch war mehr als Shopping. Er war Teil dieser Reise. Teil dieses Laufjahres. Teil dessen, was New York für mich ausgemacht hat.


Schlusswort – ein perfekter Lauf, ein besonderer Major

Der New York City Marathon war nicht mein erster Lauf auf amerikanischem Boden – dieser Moment gehörte im Jahr zuvor Chicago. Und genau deshalb hatte New York für mich eine ganz eigene Bedeutung. Es war kein Neuland mehr, sondern ein bewusster nächster Schritt. Mehr Erfahrung. Mehr Ruhe. Mehr Klarheit.

Und genau so hat sich dieser Marathon angefühlt: perfekt.

Nicht perfekt, weil er leicht war.
Sondern perfekt, weil alles zusammengepasst hat. Die Vorbereitung. Die Strategie. Die Energie dieser Stadt. Mein Kopf. Mein Körper.

New York war mein vierter Major-Stern – und zugleich der Abschluss eines außergewöhnlichen Laufjahres. Ein Lauf, den ich von Beginn an kontrolliert, fokussiert und mit einem guten Gefühl gestaltet habe. Vom Start auf der Verrazzano-Brücke, über die Stadtteile, die Brücken und Anstiege, bis hinein in den Central Park. Ich war da. Wach. Bereit. Und genau im richtigen Rhythmus.

Doch dieser Marathon war mehr als ein Rennen. Er war eingebettet in Tage voller Eindrücke, Begegnungen und gemeinsamer Erlebnisse. New York hat uns getragen – weit über den Sonntag hinaus. Bis Freitag haben wir diese Stadt aufgesogen: zu Fuß, von oben, vom Wasser aus, bei Tag und bei Nacht.

Chicago war der Anfang.
New York war die Bestätigung.

Dieser Lauf steht für Erfahrung, für Vertrauen in den eigenen Weg und für die Gewissheit, dass sich Geduld, Struktur und Leidenschaft auszahlen.

Es gibt Läufe, die man beendet.
Und es gibt Läufe, die man mitnimmt.

New York gehört zur zweiten Kategorie.

Verlinkung -> Chicago Marathon

Verlinkung -> London Marathon


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